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Die Reisen zur Hödhütte


      Das Johanneum veranstaltet jährlich mehrere Reisen zur Hödhütte: Zum einen fahren alle in der siebten Klasse während der Schulzeit zwischen den Weihnachts- und Skiferien für zwölf Tage dorthin (vor dem 8-jährigen Gymnasium waren es alle achten Klassen) und zusätzlich bietet die Schule im Frühjahr und Sommer Ferienkurse an, an denen Schüler von der fünften bis zur dreizehnten Klasse teilnehmen können.
      Im Winter übt man sich im Ski Fahren und im Sommer unternimmt man Wanderungen und badet im Bergsee. Pflichtprogramm während der Reisen sind auch der "Bunte Abend", an dem Gemeinschaftsspiele gespielt werden, und im Winter ein Tagesausflug in das Skigebiet Obertauern.
      Aber der Sinn der Reisen liegt viel mehr darin, den sozialen Zusammenhalt der Gruppe zu stärken, sich ohne Handy, Fernseher oder Computer zu beschäftigen, auf engstem Raum miteinander auszukommen und Verantwortung für das Handeln in der Gruppe zu übernehmen. Es wird zusammen gekocht, abgewaschen und gespielt. Zur Mittagszeit wird manchmal auch die Südwiener-Hütte (genannt "Süwie") besucht, um z.B. einen Kaiserschmarrn zu essen.

      Auf Wunsch kann die Hütte auch an andere Schulen vermietet werden, wobei beachtet werden muss, dass das Johanneum sie vorwiegend Anfang des Frühlings und im Spätsommer nutzt.


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      Der Südhang, wenn nicht so viel Schnee liegt Die Sonne scheint über den Bergen... Nebel kann es auch geben... Die Spuren der Skiwanderer

      Sophia W.


      Hier folgt nun der Reisebericht eines ehemaligen Schülers des Johanneums:


      Hödhütte 1970

      25 fröhliche junge "Männer" zogen im März 1970 aus, die Radstädter Tauern zu erobern. Es waren die guten alten Zeiten: Griechisch begann noch in Klasse 8, das Johanneum war eine reine Jungsschule: keine Mitschülerinnen, keine Lehrerinnen, das ganze Klima sehr rauh (wir wurden ab Klasse 5 von den Lehrern mit dem Nachnamen gerufen) - aber herzlich. Wir waren am Ende der 9. Klasse (das Schuljahr begann ja jeweils nach den Frühjahrsferien) und zumeist 15 Jahre alt. Was uns auf der Hütte erwartete, wussten wir nicht, wir waren der erste Jahrgang, der dorthin fuhr.
      Als Lehrer begleitete uns Herr Kaiser, der Sportlehrer, von dem ehrfürchtig erzählt wurde, dass er in der DDR-Oberliga Handball gespielt habe. Später wurde er Schuleiter am Gymnasium Heidberg - und noch später übrigens überraschend mein Prüfer im Staatsexamen ("machen Sie mir keine Schande"). Herr Kaiser war damals Seminarleiter und bereitete angehende Sportlehrer auf den Schuldienst vor und nahm sein ganzes Seminar mit auf Klassenreise, mit dem Ergebnis, dass wir jede Menge Skilehrer dabei hatten.
      Zunächst wurde die Reise sorgsam vorbereitet. Es musste ja alles seine Ordnung haben, daher wurden die Eltern darauf hingewiesen, dass ihre Söhne - sofern noch keine 16 Jahre alt - auf der Hütte nur mit elterlicher Erlaubnis rauchen und Alkohol trinken dürften. Meine Eltern, die mich - fälschlich - für einen Nichtraucher hielten, stellten mir also netterweise eine Trinkerlaubnis aus. Mein Päckchen "Schwarzer Krauser" zum Selbstdrehen nahm ich aber vorsichtshalber doch mit; es stellte sich heraus, dass ich damit gut beraten war, denn es wurde nicht kleinlich kontrolliert.
      Die Klasse fuhr am Freitagabend mit dem Nachtzug, ich fuhr mit Claus Simon allein hinterher, da wir beide noch am Sonntag konfirmiert wurden. Über München und Salzburg ging es dann nach Radstadt und von da mit dem Linienbus weiter zur Gnadenbrücke, wo wir von einer Lehrkraft empfangen wurden. Von dort sind wir zwei Kilometer mit Gepäck zu Fuß zur Gnadenalm marschiert, auf der sich damals lediglich ein Schuppen am Startpunkt der Lastenseilbahn zur Südwienerhütte befand. Unsere vorgefahrenen Skier wurden uns ausgehändigt, die Felle montiert und dann begann der Aufstieg zur Hütte durch den kaum gespurten Schnee. Das Gepäck wurde mit der Lastenseilbahn auf die Hütte transportiert. Toni, das Mädchen für alles, hat sich dann wohl mit dem Gepäck nach oben transportieren lassen (offenbar hießen dort alle - ob Männlein oder Weiblein - "Toni").
      Als wir oben ankamen, waren wir recht geschafft, gleichwohl aber sehr beeindruckt: Schneehöhe drei Meter, sämtliche Versuche, ein Loch bis zum Boden in den Tiefschnee zu pinkeln, blieben erfolglos. Es gab noch keinen Anbau und noch keine Materialhütte sondern nur die alte Hödhütte. Jedes Zimmer hatte seinen eigenen Kachelofen und die Besatzung war fürs Heizen verantwortlich. Man holte sich dicke Holzscheite aus der Küche und versuchte, so viel wie möglich davon in den Ofen zu stopfen. Am besten ging es, wenn man seine Skistiefel anzog und die Dinger mit Gewalt in den Ofen trat. Dann alle Klappen auf Zug stellen und wenn der Ofen so richtig bollerte, begannen die Experimente: in den oberen Gängen waren Revisionsöffnungen (für Bratäpfel o.ä.), in denen die Feuer- bzw. Wärmefestigkeit verschiedener Gegenstände getestet werden konnte: wir haben Gläser zum Schmelzen gebracht!
      Die Wärme hielt aber nur so lange vor, wie der Ofen beheizt wurde; das hörte dann nachts auf und da die Räume nicht isoliert und die Fenster nicht abgedichtet waren, war es morgens schön kühl. Eines Morgens nach einem Schneesturm wachten wir auf und hatten sogar eine leichte Schneedecke im Zimmer über uns und unseren Schlafsäcken. An Waschen war natürlich nicht zu denken - man wurde ja auch kaum schmutzig Der aufsichtsführende Referendar aber wusste, wie man die Jungs zur Reinlichkeit erzieht: er versprach jedem, der sich morgens nackt im Tiefschnee wälzt, einen Obstler; das hat dann doch den Einen oder Anderen in Kontakt mit Wasser gebracht. Obstler war auch die Währung für gewisse Missetaten, wie z.B. jemandem über die Skienden fahren.
      Den Obstler nahmen wir in der Südwiener Hütte ein, wo wir die Annehmlichkeiten einer Vollpension genossen. Der Referendarstrupp war auch dort untergebracht, bei uns in der Hödhütte waren nur zwei Aufsichtspersonen. Die Abende verbrachten wir oft in der Südwiener Hütte mit den Referendaren und anderen Wintergästen. Unvergessen sind die Rückmärsche zur Hödhütte: Alle fröhlich und erhitzt vom Hüttenfeeling und den genossenen Getränken sind wir in der dunklen Nacht - rechts und links der Tiefschnee - in langer Reihe auf dem Trampelpfad gerannt, bis der Erste vom Weg in den tiefen Schnee stürzte, die Kameraden fröhlich grüßend an ihm vorbei und er kämpfend und prustend versuchte, wieder festen Boden unter den Füßen zu erlangen und sich hinten an den Zug anzuschließen. Und jedes Mal an der gleichen Stelle der Running Gag von Michael Harck: "Jungs, wir müssen umdrehen, ich hab meine Handschuhe in der Südwiener liegen lassen." In schöner Erinnerung ist mir aber auch ein Hüttenabend in der Hödhütte, den unser Rotkreuzler Bernd Schmidt mit lebensnahen Schilderungen der Rettungssanitäter-Einsätze an der Autobahn bestritt.
      Beiliegendes Photo "Pädagogische Fachkraft (mit Helm) nimmt gemeinsam mit Schülern Schlummertrunk" verdeutlicht etwas von der guten Stimmung auf der Hütte (der Autor im grünen Schlafsack).
      Besonderen Eindruck hat auf uns Stadtjungs das Schlachten eines Schweins auf der Südwiener Hütte hinterlassen, das wir durch die Scheiben des Aufenthaltsraums mit ansehen konnten: Anlocken mit Futter und dann ein gezielter Hieb mit der Axt hinters Ohr. Die Hütte war eben noch richtig bewirtschaftet. Die Heidelbeeren (mit Schlagsahne zu genießen) kamen nicht aus der Tiefkühltruhe sondern waren im Herbst eingekocht worden.
      Das Skilaufen war super: Man hatte damals eine Seilzugbindung und schöne harte schwarze Lederskischuhe, die knapp oberhalb des Knöchels endeten. Kunststoffbelag war nicht, man hat gewachst. Mit dem Material haben wir Anfänger den Stemmbogen aus dem Schneepflug entwickelt, da musste man noch richtig was für den Richtungswechsel tun. Nach dem Schneesturm haben wir unsere Piste einen Vormittag lang wieder selbst getreten: alle seitlich nebeneinander und dann munter den Berg hoch. Zwei schöne Touren haben wir auch gemacht (Seilzug hinten am Schuh lösen und man bekommt die Hacke weit hoch). Mit Fellen rauf auf den Spirtzinger ("Stürzinger") bzw. auf den Scheibenkogel und danach Abfahrt der Ungeübten durch den Tiefschnee: Alle 50 m lag einer kopfüber im Schnee und prustete.
      Die 14 Tage vergingen wie im Fluge, wir lernten dank der guten Anleitung auch ganz gut Skifahren. Am Ende machten wir noch ein zünftiges Rennen und dann ging es schon an die Rückfahrt. Immer in Gruppen zu Fünft auf den Ski bergab, die schwächsten Skifahrer zuerst: gleich die erste Gruppe erwischte es noch in Sichtweite der Hütte: "Jungs, es hat ganz laut geknackt", saß Michael Harck mit seinem Beinbruch am Wegesrand und wartete auf den Abtransport per Schneewiesel. Wir anderen sind dann munter in die Bahn und haben im 6er-Abteil bei herausgezogenen Sitzen die Nacht verbracht und kamen bestens gelaunt (und der Nase kein Wohlgefallen) am nächsten Morgen in Hamburg an.

      Pädagogische Fachkraft (mit Helm) nimmt gemeinsam mit Schülern Schlummertrunk

      Hannes Alpheis, abit. joh. 1973